„Tschüss Postbank Mietkautionskonto, schön war die Zeit mit Dir!“ –

Am 1. Oktober 2020 war es dann soweit, die Postbank stellte das beliebte Mietkautionskonto ein, welches über mehr als die letzten 10 Jahre in dieser Form von vielen Mietern dafür genutzt wurde, die Kaution bei Ihrem Mietverhältnis zu hinterlegen.

Wenn man aktuell auf der Website der Postbank nach dem Kautionskonto sucht, so wird man auf die Startseite weitergeleitet. Bei dem Service Telefon wird man darauf verwiesen, dass das Produkt eingestellt wurde und nicht mehr für die Kunden der Bank verfügbar sein wird. Ein unausweichlicher Schritt, wenn es darum geht weiterhin als Bank in der Niedrigzinsphase zu bestehen?

Vergleichen Sie selber einmal die Zinsen in dem aktuellen Mietkautionsrechner, dieser zeigt deutlich wie niedrig die Zinsen aktuell auf den Sparbüchern sind und wie wenige Banken diese Leistung noch kostenfrei anbieten können:

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Die Einstellung des Produktes war somit wohl eher ein logischer Schritt, sofern man die Herausforderungen der Banken in den letzten Jahren betrachtet. Aufgrund der Niedrigzinsen, welche durch die Europäische Zentralbank EZB vorgegeben werden, besteht ein enormer Druck rentabel zu wirtschaften – das Zinsgeschäft der Banken fällt größtenteils weg, oder wird sogar durch Negativzinsen konterkariert. Teilweise versuchen die Geldhäuser dies zu umgehen, durch die schlichte Weitergabe der Negativzinsen an den Endkunden. Bei einem Kautionssparbuch ist dies jedoch nicht denkbar, Negativzinsen würden somit neben der Inflation dazu beitragen, dass die hinterlegte Sicherheit immer weniger werden würde. Passend dazu die Publikation des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages, welche besagt, dass Negativzisen bei Kautionskonten so lange nicht wirksam sind, wie dies für die Sparprodukte mit entsprechender Kündigungsfrist ansonsten üblich ist.

Wie werden Mietkautionskonten 2020 und zukünftig möglich sein?

Nicht zuletzt bleibt somit die Frage für die Geldhäuser, ob das Produkt „Mietkautionskonto / Mietkautionssparbuch“ digitalisiert wird, also bspw. ohne großen Mehraufwand auch über das Internet Banking oder Online Banking ebenfalls nutzbar ist, so wie dies seit Jahren bspw. die DKB Bank und die PSD Banken vormachen, oder aber ob das Produkt eingestellt wird. Bei der Postbank hat man sich für Letzteres entschieden, macht dies jedoch nicht, ohne dem Kunden eine Alternative zu bieten.

Seit Kurzem wird die Mietkautionsbürgschaft von Kautionsfrei auf der Website der Postbank beworben, also eine Möglichkeit eine Versicherung abzuschließen. Diese Versicherung ist insbesondere dann sinnvoll, wenn eine Zwischenlösung gesucht wird, längerfristig kostet diese Bürgschaft den Mieter 5,25% der eigentlichen Kautionssumme – die Stiftung Warentest empfiehlt bspw. daher andere Arten um die Kaution langfristig rentabel zu hinterlegen.

Mietkautionskonten bieten aktuell höchstens noch 0,01% Zinsen, wie zuletzt auch das Kautionskonto der Postbank. Dies wurde mit den Worten „sicherer Wertzuwachs“ beworben. Eine Möglichkeit die Kaution mit höherer Rendite anzulegen bietet das Mietkautionsdepot. Dieses legt der Mieter an und verpfändet es an den Vermieter.

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Gleichzeitig kann man sich bei der Ausgangslage jedoch auch fragen, wieso die Postbank, als Tochterunternehmen der Deutschen Bank kein eigenes Produkt dem Kunden für die Kaution anbietet. Die Marktposition und Möglichkeiten wären gegeben. Die Bankbürgschaft ist eine Möglichkeit, weiterhin als Bankhaus rentabel wirtschaften zu können, dies wird bspw. von der SWK Bank oder ebenfalls von der DKB Bank angeboten und ist im Vergleich zu den Mietkautionsversicherungen für den Endkunden günstiger.

Der Markt der Mietkaution hat sich nun seit mehreren Jahren nicht mehr stark verändert, zuletzt 2001 und in den Folgejahren, als die Mietrechtsreform dies ermöglicht hat. Nun durch die Digitalisierung und einer Konsolidierung im Bankensektor könnte erneut eine Veränderung stattfinden, die Postbank ist eines der Institute, welche hier den ersten Schritt macht und das klassische Kautionskonto einstellt.

Ob dies eine richtungsweisende Entscheidung sein wird, bleibt abzuwarten. Noch gibt es Mietkautionskonten bei deutschen Banken, die Zeichen stehen jedoch immer mehr auf eine Kautionsform die fondsgebunden ist, oder aber in anderen Anlagearten als dem klassischen Sparbuch genutzt werden.